Büttenreden

“Tatäääh – Tatäääh – Tatäääh!” Es gibt wohl niemanden, der bei diesem Fanfarenklang nicht sofort an Fasching oder Karneval denkt.

Wer schreibt eigentlich die unzähligen Büttenreden, die von Mainz bis Düsseldorf in den närrischen Tagen gehalten werden?

Noch interessanter ist vielleicht die Frage, wie man solche Reden schreibt und vor allem, wie man beim Vortrag die Lacher aller Jecken auf seine Seite bekommt.

Büttenreden – ein Spaßgarant für den Karneval

Zunächst die gute Nachricht: Es ist viel einfacher eine Rede, also eine Büttenrede, in der Karnevalszeit zu halten, als zu anderen festlichen Anlässen.

Warum? Ganz einfach: Im Karneval oder Fasching, wie man in Süddeutschland sagt, will sich jeder amüsieren.

Man ist bereit, ja geradezu begierig darauf, den Lachmuskeln an den närrischen Tagen keine Pause zu gönnen.

Was ist denn eine Büttenrede eigentlich?

Eine weinselige Angelegenheit, das mit der Bütt, der Bütte, dem Bottich. Rein sprachlich ist die Bütte verwandt mit dem Bottich, dem Böttcher, dem Fassmacher.

Im west- und süd-westdeutschen Karneval hat man früher gern ein leeres Weinfass, eine Bütte, umgedreht und als Vortragspult für die lustigen Reden zum Fasching umfunktioniert. An solch einem Weinfass wurden dann folgerichtig die Büttenreden zum Fasching gehalten. Die Büttenrede war geboren.

Die Büttenrede im Karneval früher und heute

Also, was zeichnet eine Büttenrede aus? Früher hat sie sich immer gereimt, die Rede an der Bütt.

Es war eine Möglichkeit für das einfache Volk, an diesen närrischen Tagen den Herrschenden auf spöttische oder überzeichnete Art einmal ungestraft die Leviten lesen zu können.
Heute wird der Begriff Büttenrede weiter gefasst. Es muss sich nicht mehr reimen und eine politische Anklage braucht es ebenfalls nicht mehr.
Nach wie vor wird jeder Witz, jede Pointe durch das bereits zitierte, dreimalige “Tatäääh” pointiert.

Die Rede an der Bütt, formal

Am liebsten bediente man sich einer einfachen Versform, die stoisch beibehalten wurde. Die häufigste Reimform war der Paarreim.

Eigentlich ging es in der Büttenrede jeweils um ein Thema, das in mehreren Strophen vorgetragen wurde. Am Ende jeder Strophe gab es dann eine sich stets wiederholende Pointe, mit anschließendem Ta …. -genau.

Doch heute gibt es kaum noch formale oder regionale Begrenzungen für eine Büttenrede.

Selbstgemacht, eine Büttenrede für den Karneval oder Fasching

Für Anfänger in der Bütt ist es am einfachsten, zunächst ein paar richtig lustige Witze herauszusuchen. Diese können dann mit guter Betonung, am besten noch im regionalen Dialekt vorgetragen oder auch vorgelesen werden.

Der Fortgeschrittene kann es auf die klassische Art versuchen. Er kann in Reimform und Strophenform kritisch über politische Inhalte herziehen.

Eine andere Möglichkeit ist die Form der freien Rede, nach Art der Stand-up Comedians. Situationskomik, lustige Alltagsgeschichten oder auch politische Themen können in dieser Form zum Besten gegeben werden.

 

Büttenrede Mit Diktion

Wundert Euch nicht, liebe Mädels und Jungs – wertes Publikum – dass ich mich hier und jetzt einer zumindest halbwegs ausgefeilten Diktion befleißigen werde. Der Karneval ist schließlich eine ernste Angelegenheit; auch dabei kommt es auf präzise Formulierungen und pointierte Aussagen an.
bunt geschriebenes Helau
Bildquelle: Gerd Altmann / pixabay.com

Obwohl mancher das Lachen ja lieber ganz für sich allein erledigt und dazu noch abgeschiedene Räumlichkeiten aufsuchen soll. Oder aber er tut es, obwohl kein Grund dazu besteht. Doch diese Menschen zählen zu den Scheinheiligen, zu den Vergrätzten und Verkrampften. Dafür ist hier kein Platz. Wir wollen offenherzig sein, lebenslustig und beherzt.

Doch wie schafft man es, die Lacher auf seine Seite zu ziehen? Ein trotz alledem probates Mittel dafür ist nach wie vor die Schadenfreude. Wer ein Missgeschick erfahren hat, braucht für Spötter nicht zu sorgen, sagt man, und das bewahrheitet sich immer wieder. Steht der Karneval für die Rache des kleinen Mannes an der großen weiten Welt, deren Lauf er nicht bestimmen kann?

Das verneinen wir mit aller gebotenen Entschiedenheit. Die närrischen Tage bieten Gelegenheit dazu, den Frohsinn walten zu lassen, einmal gehörig aus der Reihe zu tanzen, um daraufhin alsbald den grauen Alltag wieder einkehren zu sehen. Hier muss Bilanz gezogen werden, es gilt, zu rügen, was nicht so schnell in Vergessenheit geraten soll und dezente Hinweise darauf zu geben, wie man es besser machen könnte.

In diesem Sinne, jecke Narren und Närrinnen mit Eurem weit verzweigten Gespons: Seid so scharfzüngig, wie es Eurem Naturell entspricht, dabei aber auch versöhnlich. Schlagt das eine Mal im Jahr ein wenig über die Stränge und nutzt die Zeit, die Euch dafür vom Karnevalsprinzen gegeben ist.

Räumt dem Übermut die Chance ein, die ihm ab und an gebührt. Die dafür nötige Schläue, um ihn in Rand und Band zu halten, werdet Ihr dabei ganz sicher nicht vermissen lassen.

Freut Euch des Lebens! Helau!

 

Eine lustige Büttenrede

 

Büttenredner
Bildquelle: succo / pixabay.com

‘N Guten Abend allerseits
ich sehe schon: ihr sitzt bereits
auf dass ich euch jetzt gleich erheit’re
deswegen folgt jetzt alles weit’re
denn Liebe, Leben, Politik
fasse ich jetzt in meinen Blick
jedoch: je mehr ich es bedenke
weiß ich, dass ich mich doch beschränke
auf das, was wirklich spendet Trost
in diesem Sinne erstmal: Prost!

Denn was soll ich von Lieb’ erzählen
da mich schon lange nicht mehr quälen
der Jugend Leid, der Jugend Scherzen
mich plagen höchstens Rückenschmerzen
So lieg ich lieber ruhig da
na kommt schon: Trara Trara Trara
Das Thema überlass ich andern
und werde daher weiter wandern
bemüht in meines Dichtens Streben
es aufzufassen – ja – das Leben

Das Leben – ja – das Leben – ja
das is’ ja alles wunderbar
jedoch, wenn ich es recht bedenke
was zählt im Leben…..aaah…die Getränke
darin find ich schon wieder Trost
in diesem Sinne noch mal: Prost

Von all den Jahren, die vergehen
lässt sich keins nüchtern überstehen
Ich weiß: dass ich die Sorgen, Nöte
zuweilen einfach dadurch töte
das aufsteigt aus des Weines Röte
wie’s weitergeht? Das ist das Blöde
dass sich da grad kein Reim auftut
das war das Leben – aus und gut

Bleibt hin zum End’ ein letztes Thema
doch bleibt es da beim gleichen Schema:
Die Merkel, die regiert seit Jahren
doch hab ich stets aufs Neu erfahren:
die Dame treibt mit viel Geschick
sehr viel – nur keine Politik.

Es scheint, als sei von früh bis spät
das Folgende ihr Stoßgebet:
Du lieber Gott lass nicht erkranken
mein Hirn mit allzu viel Gedanken
die eine klare Richtung haben
schenk mir statt aller andern Gaben
auch weiterhin die Fähigkeit
dass ich im Zweifel nix entscheid’
und abwart’ bis kein Hahn mehr kräht
bis dahin ist es eh zu spät
die Dinge wirklich klar zu machen.
Ihr Leut’ – das war’s jetzt – bitte lachen.

 

Die Anti-Büttenrede

Diese etwas andere Büttenrede kursiert schon seit einigen Jahren im Internet. Angeblich wurde sie 1995 in der Karnevalshochburg Flörsheim am Main gehalten. Außerdem hieß es im Internet lange Zeit, dass der unbekannte Redner nach dem Vortrag unter Polizeischutz aus der Halle geführt und die Sitzung vorzeitig beendet werden musste.

Diese lustige und spektakuläre Geschichte ist leider nur ein Mythos. In Wahrheit stammt die Anti-Büttenrede von Schauspieler und Komiker Oliver Kalkofe, der sie für “Kalkofes letzte Worte” geschrieben hat. Kult ist die Rede seither trotzdem.

Festumzug Köln
Bildquelle: Michael Gaida / pixabay.com

Die Anti-Büttenrede in Gänze

Alaaf! Helau! Seid Ihr bereit?
Willkommen zur Beklopptenzeit!
Mer kenne des aus Akte X,
doch Mulder rufe hilft da nix,
des kommt durch Strahle aus dem All,
und plötzlisch ist dann Karneval!
(Tusch)

Uff einen Schlach werd’n alle dämlisch,
denn das befiehlt das Datum nämlisch!
Es ist die Zeit der tollen Tage,
so eine Art Idiotenplage,
eine Verschwörung, blöd zu werden,
die jährlisch um sisch greift auf Erden.
Ei’ wahre Ausgeburt der Hölle,
und Ausgangspunkt davon ist Kölle!
(Tusch)

Denn dort gibt’s nisch nur RTL,
das Fernseh-Einheitsbrei-Kartell,
sondern aach jede Menge Jecken,
die sisch auf Nasen Pappe stecken,
in Teufelssekten sisch gruppieren
danach zum Elferrat formieren,
und dann muss selbst das döfste Schwein
dort auf Kommando fröhlisch sein.
(Doppeltusch)

Auf einmal tun in allen Ländern,
die Leude sisch ganz schlimm verändern.
Sie geh’n sich hemmungslos besaufe,
und fremde Mensche Freibier kaufe,
schmeiße sisch die Bonbons an die Schädel,
begrapsche Jungens und aach Mädel,
und tun ei’m jeden, den sie sehen
ganz fuschtbar uff die Eier gehen!
(Tusch)

Sie tun nur noch in Reimen spreche,
und sind so witzisch, man könnt’ breche,
bewegen sisch in Polonäsen,
als trügen sie Gehirnprothesen,
man möschte ihnen – im Vertrauen –
am liebsten in die Fresse hauen!
(Doppeltusch)

Doch was soll man dagege mache?
Soll man vielleischt noch drüber lache?
Es hilft kein Schreie und kein Schimpfe,
man kann sisch nich mal gegen impfe,
die Macht der Doofen ist zu staak,
als dass man sisch zu wehr’n vermag!
(leiser Tusch)

Am besten ist man bleibt zu Haus
und sperrt den Wahnsinn aanfach aus.
Man schließt sisch ein paar Tage ein
und läßt die Blöden blöde sein!
Der Trick ist, dass man sisch verpisst,
bis widder Aschermittwoch ist!
(kurzer Tusch)

Und steht ein Zombie vor der Tür,
mit so ‘nem Pappnasengeschwür,
und sagt statt ‘Hallo’ nur ‘Helau’,
dann dreh sie um, die dumme Sau,
und tritt ihr kräftisch in den Arsch
und ruf dabei ‘Narrhalla-Marsch!’
(Tusch – Rakete – Narrhalla-Marsch – schnell weglaufen!)

(Autor: Oliver Kalkofe)

 

Die Büttenrede “Heiner, der neue Feuerwehrmann”

antiker Feuerwehrwagen
Bildquelle: Jakob Strauß / pixabay.com

Seit Kurzem bin ich auch Mitglied in der Feuerwehr von unserem Ort. Hier kann ich meine Führungseigenschaften einsetzen und habe große Aufstiegschancen. Das ist alles eingetroffen, denn ich fahre nun das Feuerwehrauto und bin der Erste auf der Drehleiter.

Mein erster Alarm war ein Brand im Finanzamt. Unser Einsatzleiter dirigierte mich auf Umwegen zum brennenden Finanzamt. Er meinte zu mir:

“Fahr langsam, dann brauchen wir dieses Jahr keine Steuern zahlen.” Als wir den Brandherd erreichten, loderten die Flammen aus allen Fenstern. Mit sehr viel Wasser und Schaum haben wir den Steuerunterlagen den Rest gegeben.

Auf dem Volksfest hatte ich letztens mit ein paar Kameraden Bier und Korn getrunken. Auf einmal saß ich im Feuerwehrauto, neben mir ein Hubschrauber und auf der anderen Seite ein Flugzeug. Ich war in meinem Brausekopf im Kinderkarussell gelandet!

Wir haben jetzt auch ein neues Löschfahrzeug. Unser Hauptmann schrieb einen Aushang. Darauf stand: “Bei falschem Alarm nur das alte Fahrzeug benutzen.”

Letzte Woche habe ich bei einer Einsatzfahrt die Leitstelle informiert, dass wir den Einsatz abbrechen müssen. Der Funkdödel fragte: “Was ist denn los?” “Der linke Außenspiegel ist defekt”, antwortete ich. “Das ist doch kein Grund den Einsatz abzubrechen.” “Doch, unser Wagen liegt darauf.”

Es sollte doch nicht wegen jedem kleinen Feuer die Feuerwehr belästigt werden, denn ein Löschblatt tut es auch. Außerdem haben die Männer doch ihr kleines Löschgerät immer dabei.

Da beim letzten Einsatz einige Kameraden eine Alkoholfahne hatten, hing jetzt ein neuer Aushang am “Schwarzem Brett”: “Acht Stunden vor jedem Brand darf kein Alkohol getrunken werden!”

Mit unserem Leitspruch der Feuerwehr sage ich: “Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr, drum geh auch du zur Feuerwehr!”

Hellau und Alaaf!

Euer Heiner

 

Die Büttenrede “Pitter, ein besonderer Schüler”

Hallo ihr Jecken,

ich bin seit diesem Schuljahr der neue Schüler hier in der Schule und ich möchte Euch einiges darüber erzählen, was in dieser Schule so abgeht.

In der ersten Biologiestunde wurde ich vom Klassenlehrer gefragt: Pitter, welche Sinne sind Dir bekannt? Meine Antwort war Blödsinn, Unsinn und Schwachsinn.

Der Lehrer fragte dann weiter, ob ich Lebewesen kenne, die auf dem Lande und im Wasser leben. Mein Sitznachbar Rollie trompetete heraus, das können nur unsere Badegäste sein.

Dann setzten sich zwei Vögel auf die Fensterbank und der Lehrer zeigte auf die Vögel und fragte mich: Pitter, da sitzen ein Spatz und eine Meise, welches ist die Meise? Die neben den Spatz natürlich, sagte ich.

Büttenredner
Bildquelle: succo / pixabay.com

Der Lehrer wollte dann noch von mir wissen, ob ich ihm vier Tiere aus Australien nennen könnte. Na klar, sagte ich, drei Koalabären und ein Känguru.

Im Verlauf der Stunde wurde auch auf die Kuhmilch eingegangen und der Lehrer fragte die Klasse, warum das Fett in der Milch ist. Damit es beim Melken nicht so quietscht, rief ich in den Raum. Der Lehrer war sehr begeistert von meinem Wissen.

Vorgestern hatte ich für die Deutschstunde meinen Hausaufgaben nicht gemacht. Auf die Frage warum, antwortete ich der Lehrerin, mein Heft ist so schmutzig, da konnte ich den Aufsatz nicht ins Reine schreiben.

Mir macht die Schule sehr viel Spaß, aber jetzt muss ich Schluss machen.

Nächstes Jahr werde ich Euch wieder meine Erlebnisse aus meinem Schulalltag erzählen.

Hellau und Alaaf!

Euer Pitter

 

Die Büttenrede “Von TTIP bis zum BVB”

Fahne mit BVB Logo
BIlderquelle: Erich Westendarp / pixabay.com

Schau auf der Welt mich um sehr genau
seh’ nur noch ich den ganz großen Klau
Freihandelsabkommen sollen es sein
doch danach ist nichts mehr dann mein.

Ob es CETA heißt oder TTIP
lieber ist mir ohnehin der BVB
in Brasilien noch mancher ein Weltmeister
in der Bundesliga degradiert zum Waldmeister.

Bei Schwarzgelb scheint die Krise überwunden
auf Schalke dreht ein neuer Coach die Runden
Dortmund bleibt fest und treu in Kloppos Hand
bei Königsblau weiter alles außer Rand und Band.

Auf Bayern München schimpfen viele wie gewohnt

doch nicht auf den Trainer, der jetzt dort thront

Pep bringt noch mehr Pep in die Star-Formation

die zu schlagen eine fast unmögliche Sensation.

Zurück zu Gabriel, dem Sigmar, dem Gertenschlanken

Wirtschaftsminister nun mit vielen offenen Flanken

plädiert leidenschaftlich für die Verträge mit den USA

wohlwissend: Die NSA war geheim längst mit dem Ohr da.

Liebesgrüße aus Moskau schickt nicht nur James Bond
Edward Snowden informiert von dort aus nun gekonnt
wie wünschenswert transparent die Welt geworden ist
doch nur, wenn als Lauscher bei der NSA du sitzt.

Gern’ erzählen würde Edward der Merkel Angela
wie sie schon lange wird gehackt aus den USA
aber die will es gar nicht wissen so genau
halfen deutsche Agenten doch mit beim Datenklau.

Die Angela, als schwarz-rot-goldene Kanzlerin
sitzt lieber im Boot mit Autobauern drin
lässt abkaufen für Spenden sich Klimaschutz-Maßnahmen
Hauptsache ist: in der Parteikasse gibt es Einnahmen.

Bei der Frauenquote auch ist zögerlich sie
will nicht recht einsehen das Warum und das Wie
Es geht nicht nur um mehr Frauen in der Chefetage
sondern um weniger Männer, die nur sind eine Blamage.

Zu guter Letzt gestattet eine Botschaft mir
bin ich doch nicht nur zum Motzen hier
bring’ euch dafür das scharf geschliffene Wort
damit verbessert ihr die Welt – gleich hier, vor Ort.

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