Ein neuer Mensch – Sketch über Beamte

In diesem Sketch über Beamte geht es um ein Ehepaar, das ins Standesamt geht, um ihre kleine Tochter anzumelden.

Allerdings kommt es zu etlichen lustigen Missverständnissen zwischen dem Ehepaar und der Standesbeamtin, was unter anderem an der undeutlichen Aussprache der Standesbeamtin liegt.

Inhaltsverzeichnis:

  1. Was braucht man?
  2. Sketch: Ein neuer Mensch

Was braucht man für diesen Sketch?

Für diesen Sketch braucht man einen Tisch, drei Stühle, einige Formulare und Aktenordner und einen Kiderwagen oder einen Tragekorb, in dem eine Baby-Puppe liegt.

Schauspieler

  • 2 Frauen (Frau Schlüpfer, Mutter des Kindes und Frau Kleinschmidt, Standesbeamtin)
  • 1 Mann (Herr Schlüpfer, Vater des Kindes)
  • 1 Baby (bzw. eine Puppe)

Requisiten

  • 1 Tisch
  • 3 Stühle
  • einige Formulare und Aktenordner
  • 1 Kinderwagen oder 1 Tragekorb

Spieldauer

circa 10 Minuten

Der Sketch “Ein neuer Mensch”

Herr und Frau Schlüpfer betreten das Büro der Standesbeamtin. Sie möchten ihre Tochter anmelden.

Frau Kleinschmidt: (nachdem die Eltern geklopft haben und eingetreten sind) Guten Tag, mein Name ist Kleinschmidt, was kann ich für Sie tun?

Die Eltern: Guten Tag.

Herr Sch.: Guten Tag, Frau Kleinschmidt, mein Name ist Schlüpfer, Marlon Schlüpfer – das ist meine Frau Chayenne, wir möchten unsere Tochter anmelden.

Frau Sch.: Guten Tag, Frau Kleinschmidt.

Frau K.: (schreibt den Namen auf) Gut, bitte setzen Sie sich. Ist das Ihre Tochter? Heiteitei… die ist ja süß. Wie alt ist sie denn?

Frau Sch.: Genau eine Woche alt.

Frau K.: Dann wird es ja Zeit, dass sie erfasst wird.

Herr Sch.: (entsetzt) Gefasst??? Warum um Gottes Willen, sie hat doch nichts getan…!

Frau K.: (irritiert) Nein, natürlich nicht. Sie ist doch noch ein Baby, was soll sie denn getan haben?

**Frau Sch.**(zeigt mit dem Finger auf die Beamtin): Sie haben gesagt, es wird Zeit, dass sie gefasst wird.

Herr Sch.: (erschrocken) Kommt sie jetzt ins Gefängnis? (Zu seiner Frau) Schatz, dann musst Du mit, ich kann sie doch nicht stillen!!

Frau Sch.: (entsetzt) Aber ich habe doch gar nichts gemacht! Warum soll ich denn ins Gefängnis?

Herr Sch.: Na, weil ich sie nicht stillen kann!!!

Frau K.: Moment, Moment, Moment… Was reden Sie denn da? Warum soll denn Ihre Tochter…

Herr und Frau Sch.: Sie haben gesagt…

Frau K.: (energisch) Ruhe jetzt! Ich habe gesagt, es sei Zeit, dass sie erfasst würde, verstehen Sie, erfasst – nicht gefasst – in der Einwohnermeldekartei (nuschelt das letzte Wort und holt schon mal Vordrucke aus der Schublade).

Frau Sch.: (erstaunt) Welche Partei? (Zu ihrem Mann) Schatz, in welcher Partei sollen wir sie anmelden?

**Herr Sch.:** (überlegt) Nun ja… für die grauen Panther ist sie noch zu klein…

Frau Sch.: Ich bin für die DKP – oder KPD? Naja, die Kommunisten halt. Das passt so schön zu ihrem Namen! Wie die Frau Luxemburg damals…

Frau K.: (beginnt so langsam die Fassung zu verlieren) Hören Sie, Herr und Frau (schaut auf ihre Notizen) Schlüpfer, Sie sind hier im Standesamt und wollen Ihre Tochter anmelden, richtig? Sie sind hier nicht bei irgendeiner Partei, also ehrlich…

Herr und Frau Sch.: ie haben gesagt…

Frau K.: Ich sprach von der Kartei – der Einwohnermeldekartei, in die das Kind eingetragen wird. Also, wo wohnen Sie?

(Herr und Frau Sch. schauen sich verständnislos an)

Herr Sch.: Na, zu Hause!

Frau K.: (ringt um Fassung)* Ihre Adresse! Ort, Straße und Hausnummer!

Frau Sch.: Ach so… ähm ja, Bahnhofstraße 15, ja, in Wildeshausen.

Frau K.: (lächelt) Na, sehen Sie, es geht doch…

Herr Sch.: (bereitwillig) Im 2.Stock, neben Lehmanns.

Frau K.: (nuschelt, mit dem Blick in ihre Formblätter) Haben Sie Ihre Ausweise dabei?

(Herr und Frau Sch schauen sich entsetzt an.)

Herr Sch.: Warum das? Wieso? Wohin?

Frau Sch.: Weshalb?

Frau K.: (äfft die beiden nach) Warum ? Wieso? Wohin? Weshalb? Was ist denn bloß los mit Ihnen?

Frau Sch.: Wieso sollen wir ausreisen? Und wohin? Wir sind doch gerade erst hergezogen. (In sächsischem Akzent zu ihrem Mann) Nü, Schatz, wir gehen nicht zurück nach Gera, nü?

Herr Sch.: Aber nein, Schatz, wir gehen nicht zurück. Der Genscher, der hat damals, weeste noch, 1989, auf dem Balkon der Prager Botschaft…

Frau Sch.: (vervollständigt den Satz) … unserer Ausreise zugestimmt. (Zu Frau Kleinschmidt) Jawoll, wir sind Deutsche, genau wie Sie!!

Frau K.: (wirkt langsam erschöpft) Nun gut, Selbstverständlich sind Sie Deutsche, genau wie ich – ein Land, ein Volk…

Herr und Frau Sch.: (stehen auf, legen sich jeweils die rechten Hände auf die Herzgegend und beginnen zu singen) Deutschland, Deutschland über alles, über alles auf der Welt…

Frau K.: (springt auf, beugt sich über ihren Schreibtisch in Richtung der Eheleute Schlüpfer und nimmt eine drohende Haltung ein) So meine Lieben, jetzt ist aber mal Schluss mit dem Affentheater .

(Das Baby beginnt zu brüllen)

Frau Sch.: (hilflos wegen des Geschreis ihrer Tochter, giftet Frau Kleinschmidt an) Sehen Sie, was Sie angerichtet haben – nun weint die Kleine. (Sie versucht das Kind zu trösten. Zu ihrem Mann:) Marlon, nun tu doch was!

Herr Sch.: Meine liebe Frau (er geht ganz nah an sie heran, um ihr Namensschild lesen zu können) Kleinschmidt, wenn Sie nicht au – gen – blick – lich meine Tochter in ihre Scheißkartei eintragen, dann … dann…

Frau Sch.: Schatz, Mausebär, beruhige dich doch! Die Frau tut doch nur ihre Pflicht?

Herr Sch.: (schimpft) Pflicht? Dass ich nicht lache! Bisher hat sie gar nichts getan!

Frau K.: (räuspert sich und versucht ihre Fassung wieder zu erlangen) Nun beruhigen wir uns alle wieder und werden wieder sachlich. Wie wollen Sie die Gebühr bezahlen? Bargeld oder per Lastschrift? (Das letzte Wort war wieder sehr undeutlich. Sie beginnt in ihre Formulare zu schreiben).

(Herr und Frau Sch. schauen sich verwundert an.)

Frau Sch.: (leise zu ihrem Mann) Ich glaube, die Alte tickt nicht richtig!

Herr Sch.: (erwidert ebenso leise) Das glaube ich inzwischen auch…

Herr Sch.: (er wendet sich an Frau Kleinschmidt) Werte Frau, bitte sagen Sie mir, warum und wohin wir mit einem Lastschiff fahren sollen?

Frau Sch.: (lächelt die Standesbeamtin an) Wir wollen hier gar nicht weg. Es ist sehr schön in Wildeshausen, die Leute sind so nett…

Frau K. (kurz vor dem Zusammenbruch, mit letzter Kraft) Haben Sie Geld dabei?

(Frau Sch. blickt ihren Mann fragend an. Dieser schaut in seiner Börse nach.)

Herr Sch. : (zu Frau K.) 15 Euro. Reicht das?

Frau K.: (nickt)Ja. Reicht. (leise, mehr zu sich selbst) Den Rest leg‘ ich selbst drauf, um diese Idioten loszuwerden…

Frau K. (Sie lächelt die Eheleute Schlüpfer an und sagt betont deutlich:) Wie. Soll. Die. Kleine. Denn. Nun. Heißen?

(Das Ehepaar blickt sich strahlend an.)

Frau Sch.: Oh, sagten wir das noch nicht?

Herr Sch.: Rosa soll sie heißen, na, wie die Frau Luxemburg!

Frau K.: (nimmt ihren Stift in die Hand und will den Namen eintragen. Dann starrt sie die Eltern entsetzt an) Das ist doch nicht Ihr Ernst!

Frau Sch.: (strahlt) Doch natürlich. Das ist so ein schöner Name, so prosaisch, so wohlklingend…

Herr Sch.: (ergänzt, ebenso strahlend) Wissen Sie, Frau Kleinschmidt, Rosa kommt von Rose, von der Blume, wissen Sie? Kommt es einem nicht wie Blumenduft über die Lippen?

(Aber Frau Kleinschmidt hört sie nicht mehr. Sie ist in Ohnmacht gefallen.)

Frau Sch.: (reißt erschrocken die Augen auf) Huch… was hat sie denn?

Herr Sch.: (schüttelt verwundert den Kopf) Wir müssen den Notarzt rufen! Los Schatz, wähl schnell die 110.

Dieser Sketch wurde eingeschickt von G.Häger.
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